Geschichte 1946 – jetzt

Die Vorstandschaft, alle Funktionäre und die unzähligen freiwilligen Helfer sind die Garanten für eine erfolgreiche Vereinsarbeit. Sie im einzelnen zu benennen, würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Gerade deswegen muß aber an dieser Stelle deutlich gesagt werden, daß der TSV Spiegelau immer Leute an der Spitze hat, die zum hohen sportlichen und gesellschaftlichen Ansehen des Vereins weit über die Grenzen Bayerns hinaus entscheidend beitragen.

Der TSV reift zu seiner vollen Blüte

Ohne Funktionäre kein Vereinsleben

Im Besonderen sind es die Vorstände und ihre Stellvertreter, die immer wieder die entscheidenden Impulse setzen, obwohl sie von ihrem Stil her sehr unterschiedlich den Verein führen. Einen hier hervorzuheben, wäre sicherlich nicht richtig. Deshalb gilt allen der besondere Dank des Vereins und seiner Mitglieder. Wenn in den folgenden Kapiteln über die großen Erfolge der einzelnen Sparten berichtet wird, sollte man auch immer an die Funktionäre denken, die zu dieser Zeit tätig sind. Sie müßten nämlich auf jeder Urkunde und auf jedem Pokal mit verewigt sein, weil sie durch ihre Arbeit erst die Voraussetzungen für den Erfolg der Aktiven schaffen.

Ohne sie und ihre zahlreichen freiwilligen Helfer könnten auch die folgenden Ausführungen über die traditionellen Veranstaltungen des TSV nicht geschrieben werden.

Beim „Turnerball“ geht’s immer hoch her

Schon von Anfang an ist der „Turnerball“ ein großes gesellschaftliches Ereignis für Spiegelau und die ganze Umgebung. In einer Zeit, in der das Wort „Disco“ noch nicht existiert, fiebert man schon Wochen vorher auf die Faschingszeit hin. Wohl gerade deshalb, weil das ganze Jahr über nur wenige Bälle veranstaltet werden, freut man sich auf diese ganz besonders.

Und wenn heute jemand mit den Worten „Mei, damois in da Klamm…“ oder „Woaßt as na, beim Appl …“ beginnt, dann folgt meist die Geschichte einer „Mord’s Gaudi“ beim Turnerball. Für Atmosphäre ist allein schon durch die zahlreichen Masken und die gelungenen Einlagen gesorgt. Im Jahr 1959 nimmt es die Vorstandschaft mit der Maskierung der Ballbesucher sogar besonders genau. Im Protokoll der Ausschußsitzung vom 24.1.59 ist folgendes zu lesen: „Der Verein gibt an jeden Besucher des Turnerballes kostenlos eine Faschingsmütze ab.“ Bis weit in die 60 er Jahre hält diese Blütezeit des TSV-Faschings an.

Rudi Prosser und Heinz Hucke sind es zu Beginn der 80er Jahre, die den Sportlerball wiederzu einem absoluten Höhepunkt des Spiegelauer Faschings machen. Zusammen mit einem großen Stab an freiwilligen Helfern verwandeln sie in wochenlanger Vorarbeit zunächst das frühere Urania-Kino und später den Saal im Gasthaus „Hard“ in ein wahres Eldorado. Stellvertretend für alle sei dafür Franz und Helmut Bartosch, Gottfried Eiler, Reinhard Kreuzer, Fritz und Klaus Sigl, Willi Zellner und Philipp Zechmann jun. ein herzliches „Dankeschön“ gesagt.

Bei einigen dieser Sportlerbälle stellen die TSVIer ihr Showtalent unter Beweis. Und bei all diesen Einlagen bleibt meist kein Auge trocken. Eine buntgemischte Truppe um Helmut Bartosch zeigt die damaligen Vereinsverhältnis im Spiegel von „1000 und einer Nacht“ Die Turner lassen zweimal mit ihrer spektakulären Trampolinakrobatik den Ballbesuchern den Atem stocken. Und die Volleyballer ernten mit ihrer Parodie von Größen aus dem Vereins- und Showgeschäft wahre Beifallsstürme.

Das Volksfestgehört zu Spiegelau wie das Oktoberfest zu München

„Warum sollen die Spiegelauer eigentlich immer nur in Grafenau ein Volksfest feiern?“ Diese Frage, gestellt bei einer Ausschußsitzung im Frühjahr 1950, ist der Anstoß zu einer der traditionsreichsten Veranstaltungen im Bayerischen Wald. Und weil die TSV ler, wenn es um’s Feiern geht, gar nicht schnell genug sein können, wird im Juni dieses Jahres bereits das erste TSV-Fest veranstaltet. Als Festplatz dient eine Wiese (in der Nähe der jetzigen Volksschule) und der „freie Himmel ist ihr Zelt“. Neben Buden mit Wurst und Käse gehört auch schon ein kleines Karussell zu den Attraktionen. Und für manchen gestandenen Besucher ist in dieser Zeit der Henkel seines Maßkruges der einzig wirkliche Halt. Für Stimmung sorgt bereits beim ersten Fest – und später noch über mehr als drei Jahrzehnte hinweg – die Kapelle „Eder“.

Dieses erste Fest wird zu einem großen finanziellen und sportlichen Erfolg. Deshalb steht es für die Vorstandschaft außer Frage, daß es weiter Bestand haben, ja sogar noch größer aufgezogen werden soll. Schon das nächste Volksfest findet bereits auf dem „Turnplatz“ mit Kettenkarussell, Schiffschaukel und einem großen Bierzelt statt. Im August 1952 ist dieses Fest bereits in seiner Blütezeit. Auch eine 100 Mann (und Frau) starke Abordnung einer rheinischen Glasfabrik reist extra zum TSV-Fest an. Und aus einem Pressebericht ist zu erfahren, daß bereits am Sonntagnachmittag alle 3000 Festzeichen verkauft sind und an den übrigen Tagen Behelfsmarken ausgegeben werden müssen.

Die Attraktion des Volksfestes 1954 ist ein „Weinbrunnen“, für den der Direktor der Glasfabrik, Willy Danzmann, 1000 Liter Wein besorgt. Und beim Volksfest im darauffolgenden Jahr soll es im Bierzelt und an diversen weiteren Orten ein großes „Catcher-Turnier“ gegeben haben, bei dem sich eine „Spiegelauer Auswahl“ und ein „Polizei-Sportclub“ gegenüberstanden.

In den kommenden drei Jahrzehnten lassen sich die Organisatoren immer wieder etwas Neues einfallen, um das Volksfest so attraktiv als möglich zu gestalten. Die Spanne der Attraktionen im Festzelt reicht vom Rhönrad-Turnen bis hin zu einem Judoturnier. Und auch immer mehr Fahrgeschäfte und Buden beleben die Spiegelauer „Wies’n“. Deshalb gelingt es dem Wettergott, der beileibe kein Spiegelauer sein kann, auch mit noch so starken Regengüssen nie, daß auch nur ein einziges Mal das Volksfest „ins Wasser fällt“.

Wieder ist es der Vorstand Rudi Prosser, selbst ein Gesellschaftsmensch durch und durch, der ab Mitte der 80 er Jahre die Zeichen der Zeit erkennt und Spitzen-Musikbands zum Volksfest nach Spiegelau holt. Damit macht der TSV

Festzüge und Autokorsos bringen Farbe in das Volksfest

Von Anfang an gehören die Festzüge und Autokorsos zu den Farbtupfern der Volksfeste, bei dem sich auch viele andere Vereine und Gruppen aus Spiegelau und der Umgebung beteiligen. Bereits 1952 hinterläßt der Volksfestaufmarsch beim Reporter des „Grafenauer Anzeigers“ einen starken Eindruck. Auszüge aus seinem Bericht machen dies deutlich: „… Angeführt von einer Reitergruppe bewegte sich der Zug unter den Klängen schmissiger Märsche durch das festlich geschmückte Spiegelau. Es folgte der Festwagen des Bürgerbräus Regen. Dann kam der Wagen der Sportler mit der Büste des Turnvater Jahn und der Wagen der Stadt Grafenau mit dem Stadtbären. Dem Wagen der „Schwarzachtaler“, der besonders bunt hergerichtet war, folgten die Trachtler und die Jägerschaft, immer wieder lustig aus ihren Büchsen feuernd. Auch ein Wagen der Kristallglasfabrik, auf dem man die Glasmacher bei der Arbeit sah, erregte Aufsehen… Es folgte ein Wagen der Sudetendeutschen, schön geschmückt.“ Weiter ist zu lesen, daß noch viele Wagen und Fußgruppen folgten.

Diese Tradition des Volksfestaufmarsches wird bis heute fortgesetzt. Und genauso ist der Autokorso, der lange Zeit sogar alle zwei Jahre durchgeführt wird, eine große Attraktion des Festes. Mit großer Liebe zum Detail, vielen Blumen und zündenden Ideen wird Großartiges auf die Beine – oder besser gesagt – auf die Räder gestellt. Während in den früheren Jahren der Autokorso meist von der Vorstandschaft organisiert wird, ist es ab dem Jahr 1985 Alfred Baumann, der zusammen mit Rudi Prosser, Reinhard Kreuzer und vielen Helfern, dieses Ereignis im wahrsten Sinne des Wortes wieder zur Blüte bringt. Nahezu 50 Autos reichlich geschmückt mit Blumen und einige Fußgruppen beteiligen sich an dem Zug, der auf dem Weg zum Festplatz mit viel Beifall bedacht wird. Denselben Zuspruch finden die Neuauflagen des Autokorsos in den Jahren ’87, ’88 und ’90. Es bleibt zu hoffen, daß sich in nächster Zukunft wieder Leute
finden, die diese Attraktion des Volksfestes wieder aufleben lassen.

Vom Turnplatz und Turnerheim zum Trosselstadion und Hans-Dachs-Sportheim

Im Jahr 1948, also in der „schlechten Zeit“, gelingt es dem TSV durch den enormen Arbeitseinsatz seiner freiwilligen Helfer das sogenannte Turnerheim zu errichten. Es ist wohl eines der ersten „Fertighäuser“, denn es wird in Schönberg unter dem Vorstand Andreas Bauer abgebaut, nach Spiegelau gebracht und auf dem Platz vor dem Sportplatz in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgestellt.

Turnerheim
Turnerheim

Im Turnerheim befinden sich bereits Umkleidekabinen und Waschgelegenkeiten, ein Luxus, den sich zu dieser Zeit nur ganz wenige Sportvereine in unserer Gegend leisten können. Das Herzstück ist jedoch die Vereinslokal, das von Anfang an bis in das Jahr ’62 von den Wirtsleuten Traudl und Jackerl Hartl hervorragend betreut wird. Man könnte wohl ein eigenes Buch über die rauschenden Siegesfeiern und die langen Schafkopfabende schreiben und manch einer hat sicher an den Wochenenden mehr Stunden im Turnerheim verbracht als zu Hause in seinen eigenen vier Wänden.

Die Zeit nagt an dem schmucken kleinen Holzhaus und nach 20 Jahren ist es, nun schon seit einigen Jahren nicht mehr bewirtschaftet, so heruntergekommen, daß die Vorstandschaft im Jahr 1969 beschließt, es abreißen zu lassen. Viele ältere Vereinsmitglieder trauern heute noch dem Turnerheim nach, da es „ein Stück TSV Spiegelau“ war und immer bleiben wird. Für viele Jahre findet der Verein für seine Feiern und Sitzungen eine Heimat in dem schön gestalteten Kellerraum des „Cafe Würzbauer“. Aber schon bald erwachen die ersten Träume von einem eigenen Vereinsheim.

Genauso wie das Turnerheim kommt auch der Fußballplatz in die Jahre. Gerade in den Kreisligazeiten wird der Ruf nach einem Rasenplatz immer lauter. Denn die berüchtigte „Koihnlösch“Auflage hinterläßt bei vielen Fußballern ewige Erinnerungen. Aber obwohl man sich oft – sowohl im Verein als auch in der Gemeinde – mit dem Thema Sportplatzbau befaßt, traut sich in den nächsten 20 Jahren niemand so recht über dieses Projekt.

Erst der Vorstand Ferdinand Maierfordert in seiner Amtszeit den Bau des Sportplatzes Trossel und des Vereinsheimes wie Bürgermeister Hans Stadler es in seinem Vorwort so treffend formuliert – „mit unglaublicher Energie“. In einem harten Ringen, bei dem so mancher Beteiligte entweder „Federn lassen muß“ oder aber „ein paar graue Haare mehr bekommt“, wird das Projekt schließlich durchgezogen. Dabei haben viele Vereinsmitglieder mit einem enormen Arbeitseinsatz zum Gelingen dieser herrlichen Anlage beigetragen. Am 28.7.82 wird der Rasenplatz mit einem Freundschaftsspiel gegen den SC Zwiesel eingeweiht.

Bereits zwei Jahre später ist auch das Vereinsheim bezugsfertig. Der Verein nennt es nach seinem größten Gönner: „Hans-DachsSportheim“. Das Gründungs- und Ehrenmitglied des TSV ermöglicht mit einer außerordentlich hohen Spende den großzügigen Ausbau. Trotzdem bleibt jedoch neben der Gewißheit, eines der schönsten Sportzentren in der Gegend zu haben, auch ein Berg von Schulden. Und deshalb ist der TSV Spiegelau auch in dieser Hinsicht den nachfolgenden Vorstandschaften zu großem Dank verpflichtet. Sie haben es geschafft, den Verein durch eine mehr als solide Finanzpolitik wieder auf gesunde finanzielle Beine zu stellen.

Es ist zu hoffen, daß die aktiven Sportler der Gegenwart und Zukunft mit ihren Leistungen den Einsatz aller an diesem Projekt Beteiligten entsprechend würdigen.

Welch einen enormen Aufschwung eine ideale Sportstätte in einem Verein bewirken kann, zeigt die im Rahmen des Schulbaues erstellte Doppelturnhalle. Sie ist eine wichtige Voraussetzung dafür, daß alleine im TSV Spiegelau drei neue Sparten gegründet werden konnten. Dafür geht an die Adresse der Gemeinde und aller beteiligten Stellen ein großer Dank vom Verein und seinen Sparten.

Zum 1. Teil