Große Trauer um Herbert Meißner

(c) Helmut Döringer

Herbert Meißner - die gute Seele des TSV
Herbert Meißner – die gute Seele des TSV

Die Fußballerfamilie trauert – und das nicht nur beim TSV, sondern weit über Spiegelau hinaus. Sie trauert um Herbert Meißner, der im Alter von 84 Jahren am Freitagvormittag (3. April) so plötzlich verstorben ist. Der Herbert, als den man ihn nur kannte, hatte dem Turn- und Sportverein Spiegelau 60 Jahre als Funktionär gedient. Er war die gute Seele des Vereins, aus dem er nicht wegzudenken war, für den er viele Stunden seines Lebens geopfert hatte.

Geboren wurde Herbert am 22. Dezember 1935 in Spiegelau, seit 1959 war er verheiratet mit seiner Frau Charlotte, eine geborene Achatz aus Grub bei Gotteszell. Im Ortsteil List schuf sich das Ehepaar 1973 ihr eigenes Haus. Im Juni letzten Jahres feierten Lotte und Herbert nach 60 Ehejahren die Diamantene Hochzeit. Die Söhne Herbert, Kurt und Klaus gingen aus der Verbindung hervor. Nach seiner Schulzeit, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1993, war Meißner ununterbrochen als Glasschleifer in der Kristallglasfabrik Spiegelau beschäftigt.

Erster Mitgliedsausweis, Herbert Meißner
Erster Mitgliedsausweis, Herbert Meißner

Herbert Meißner war ein Mann, dessen Leben eng mit dem Fußball in seinem Heimatort in Verbindung stand. 1952 schloss er sich dem TSV Spiegelau an. Es war für den Verein eine überaus wertvolle Mitgliedschaft: 1955 übernahm er das Amt des 2. Fußball-Spartenleiters und wurde 1960 zum 1. Spartenleiter gewählt. Zu dieser Zeit wurden von ihm vor jedem Spiel die Linien auf dem Sandplatz noch mit Sägespänen markiert, die aus den heimischen Sägewerken stammten. Von Wartungsarbeiten auf dem Sportplatz, dem Herrichten der Fußballtrikots bis hin zum Abstauben der Siegerpokale: Er war sich für keine Arbeit zu schade und war kurz gesagt „Mädchen für alles“ im Verein. Auch in Krisenzeiten blieb Meißner immer und unerschütterlich für seinen TSV am Ball.

Als „dienstältester Fußball-Spartenleiter Deutschlands“ wurde er 1995 nach 40 Amtsjahren vom TSV in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, war aber auch noch im „Unruhestand“ als Platzwart sehr aktiv. Meißner, der selbst nie als Spieler dem runden Leder nachgejagt war, wurde oft respektvoll als „wandelndes Fußball-Lexikon“ bezeichnet. Gerne verfiel er der Nostalgie und kam oft über die große Spiegelauer Fußball-Ära in den 60er Jahren zu sprechen, die er nicht unwesentlich durch seine aufopfernde Arbeit mitgeprägt hatte.

„Weißt du noch, damals?“, hörte man den geselligen Mann am Stammtisch oder unter Freunden oft fragen. Ja, damals, damit meinte der Herbert die glorreichen Zeiten, in denen der TSV Spiegelau zu den besten niederbayerischen Fußballvereinen zählte und fast den Aufstieg in die Landesliga, die damals vierthöchste Spielklasse in Deutschland, geschafft hätte.

Herbert Meißner fur dem alten Kassenhäuschen 1979
Herbert Meißner fur dem alten Kassenhäuschen 1979

„Die Geschichte des Spiegelauer Fußballs kannte der Herbert wie kein Zweiter“, bestätigt auch TSV-Chronist Armin Kieslinger. Ein Fußballhistoriker sei der Verstorbene gewesen, der leidenschaftlich Fotos und Zeitungsberichte über seinen Verein gesammelt und Saisonhefte mit detaillierten Berichten über jedes Spiel geführt habe.

Der Verstorbene war nicht nur ein großer Förderer des TSV, sondern stets auch ein Vorbild für alle Spieler und Funktionäre, ein Mensch mit einem einwandfreien Charakter. Sein Rat war bis zuletzt gefragt. Sein unermüdliches sportliches Engagement fand auch die entsprechende Würdigung mit zahlreichen Auszeichnungen und vielen Ehrungen. 1986 erhielt er mit dem Ehrenzeichen in Gold die höchste Auszeichnung des Bayerischen Fußballverbandes, es folgte die Verleihung der Landkreismedaille und 2010 erhielt er als erster den Ehrenpreis der Dr. Ludwig und Johanna Stockbauer-Stiftung.

Ehrung Herbert mit Minister Brunner 2009
Ehrung Herbert mit Minister Brunner – Ehrenamtstag 2009

„Der Herbert war für uns wie ein guter Opa. Wir alle müssen seinen Tod jetzt verarbeiten und trauern mit seiner Familie“, zeigt sich TSV-Vorsitzender Björn Strahberger geschockt. „Sein Leben war der TSV“, so Strahberger voller Hochachtung. Deshalb auch wollte der TSV Spiegelau schon vor Jahren seine Sportanlage in der Trossel nach Herbert Meißner benennen und so die jahrzehntelange aufopfernde Arbeit dieses großen Spiegelauer Sportsmannes würdigen. Doch zu Lebzeiten lehnte der bescheidene Mann dies kategorisch ab: „So viel Ehre habe ich nicht verdient.“

Aufgrund der Corona-Krise findet die Urnenbestattung von Herbert Meißner am Dienstag, 7. April, um 16 Uhr im Trauerwald Spiegelau nur im engen Familienkreis statt. Der Trauergottesdienst wird zu einem späteren Zeitpunkt in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer nachgeholt.

(c) Helmut Döringer @ pnp.de

Meininger Andreas

Solche Menschen wie der Herbert war bräuchte man mehr in den Vereinen und in der Gesellschaft. Der TSV Spiegelau verliert einen angaschirten Menschen

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